Anfänge 1874 – 1914

Erster Weltkrieg 

Zwischenkriegszeit

Zweiter Weltkrieg

 

Anfänge: 1874-1914

Die Armeereform von 1874 schuf mit der ab 19.2.1875 gültigen neuen Militärorganisation (MO) die erste eidgenössisch einheitlich organisierte Armee. Zuvor war das Militärwesen nicht Bundessache, die Kantone hatten weitgehend autonome Befugnisse; zum Beispiel war die Landwehr nicht Teil des eidgenössischen Heeres und alleine Sache der Kantone. Auch gab es keine Einteilungen in grössere Verbände wie Regimenter, Divisionen oder Korps; solche wurden im Einberufungsfall ad hoc geschaffen. Es gab ab 1815 Bataillone unter verschiedenen Namen, Nummern und Bezeichnungen. Einheitlich und ordentlich gemacht wurde dies erst mit der neuen MO von 1875. Die Einheiten wurden bereits in Friedenszeiten in Divisionen, Brigaden, Regimenter und Bataillone unterteilt. Trotz der zentralen Organisation wurden auch Verbände geschaffen, die als kantonale Verbände gelten können. So entstand die VI. Armeedivision, in welcher vorwiegend Zürcher eingeteilt waren und dadurch bis zu ihrer Auflösung 2003 als die „zürcherische Division“ galt. Das Inf Bat 70 wurde als Teil des Inf Rgt 24 gegründet; in diesem Regiment entstanden auch die Inf Bat 71 und 72. Es entstanden 20 Infanterie-Bataillone in Zürich, davon 10 im Auszug und 10 in der Landwehr. (Gubler S. 83) Zur gleichen Zeit erhielten die Infanteristen das neue 10,4-mm-Repetiergewehr System Vetterli Modell 1869. (Gubler S. 85) Auch die Ausbildung wurde reformiert und Rekrutenschule für alle Waffengattungen und Wiederholungskurse eingeführt.

Laut MO 1874 bestand ein Infanterie- oder Schützenbataillon aus folgenden Bestandteilen:

  • 1 Bataillonskommandant mit Majorsgrad (2 Reitpferde)
  • 1 Bataillonsadjutant mit Hauptmannsgrad (2 Reitpferde)
  • 1 Quartiermeister (1 Reitpferd)
  • 2 Ärzte (2 Reitpferde)
  • 1 Fähnrich (Adjutant-Unteroffizier)
  • 1 Waffenunteroffizier, 1 Pionnierunteroffizier
  • 1 Traingefreiter
  • 6 Trainsoldaten
  • 1 Trompeterkorporal
  • 1 Wärterunteroffizier
  • 2 Wärter, 1 Trägerunteroffizier
  • 12 Träger
  • 2 Büchsenmacher
  • 740 Mann (4 Kompagnien zu 185 Mann)

Total 774, 7 Reitpferde.

Ordonnanzfuhrwerke:
2 zweispännige Munitionswagen mit 4 Zugpferden, 5 zweispännige Wagen für Korpsausrüstung, Bagage und Proviant, 10 Zugpferde.

Requisitionsfuhrwerke:
3 Zweispänner mit 6 Zugpferden.

Total 10 Fuhrwerke, 20 Zugpferde.“

Und eine Kompanie in einem solchen Bataillon bestand aus: „1 Hauptmann, 2 Oberlieutenants, 2 Lieutenants, 1 Feldweibel, 1 Fourier, 8 Wachtmeister, 16 Korporale, 4 Pionniere, 3 Trompeter, 2 Tambouren, 1 Wärter, 144 Soldaten. Total 185.“

Auffällig bei der Durchsicht der vorhandenen Korpskontrollen (komplette Mannschaftslisten) ist, dass die Offiziere aus höheren Schichten kamen, studiert hatten, und beruflich Anwälte, Kaufleute oder Professoren waren. Die Unteroffiziere waren vor allem Handwerker, wie auch die Soldaten, unter ihnen gab es auch viele Tagelöhner, Bauern und Hilfsarbeiter. Erster Kommandant war Major Johann Brandenberger aus Zürich, der das Bataillon von 1875-1883 führte und danach das Inf Rgt 24 übernahm. Weitere Kommandanten vor dem Ersten Weltkrieg waren Eduard Graf (1884-1889), Johann Bünzli (1890-1898), Jakob Merkli (1899-1903) und Hans Kern (1904-1909). Danach übernahm Emil Wegmann, der das Füs Bat 70 auch in den ersten Jahren des Ersten Weltkrieges führte. Der Namenswechsel von Infanterie-Bataillon (Inf Bat) zu Füsilier-Bataillon (Füs Bat) geschah etwa um 1890, lässt sich aber nicht genau festlegen. (Gubler S. 541) Die Mannschaft des Füs Bat 70 rekrutierte sich hauptsächlich in den Bezirken Meilen und Horgen, auf beiden Seiten des Zürichsees also.

Die Modalitäten für Wiederholungskurse wurden immer wieder geändert, auch Kadervorkurse gab es noch nicht. Anfangs gab es alle zwei Jahre Kurse von 14-18 Tagen. Die ersten WKs 1876 wurden aber aus finanziellen Gründen auf 7 Tage verkürzt. Durch die neuen Aufgaben für den Bund im Militärwesen waren die Ausgaben stark gewachsen, und neue Geldquellen wie die Militärpflichtersatzsteuer wurden erst später eingeführt. Der Schwerpunkt der WKs lag meist bei Übungen innerhalb grösserer Verbände, meist Regiment, manchmal auch mit der Division oder gar dem ganzen Armeekorps.

Zwischen 1875 und 1914 gab es viele Wiederholungskurse und keine wirklichen Ernstfälle. Einige Male wurde die Armee bei sozialen Unruhen zu Ordnungsdiensteinsätzen einberufen. Auch das Füs Bat 70 rückte einmal aus, und zwar bei als „Italiener-Krawallen“ bekannten Unruhen in Zürich im Sommer 1896. Im selben Jahr musste das bat trotzdem im Divisionsverband den WK absolvieren (cf. Gubler S. 542, Fussnote 300)

Das Füs Bat 70 bei den Italienerkrawallen im Juli 1896

13.500 Franken kostete der sechstägige Einsatz des Militärs bei den sogenannten Italiener-Krawallen vom Juli 1896. Fein säuberlich listet der „Secretär der Militärdirection“ alle Rechnungssteller auf, vom QM über den Fourragelieferanten bis zum Tierarzt. Die Unruhen gingen nicht von Italienern aus, sondern waren vielmehr gegen diese gerichtet, und kamen von der Stadtzürcher Bevölkerung aus. Die Unruhen waren ausgebrochen, weil sich angeblich Übergriffe und Verbrechen durch italienische Gastarbeiter auf die Bevölkerung häuften. Nach nicht mal einer Woche war allerdings der Spuk vorbei und das Militär konnte nach Hause geschickt werden.


Man war vorbereitet für solche Fälle. Für alle Zürcher Bataillone war vorgängig ausgerechnet worden, wie lange es dauern würde, bis es zum Einsatz kommen könnte. Für das Füs Bat 70 unter Leitung von Major Bünzli aus Bäretswil war diese vorgesehene Zeit fünf Stunden, womit es nach den zwei Stadtzürcher Bataillonen 68 und 69 das am schnellsten verfügbare war, zusammen mit dem Füs Bat 71.

Im Juli 1896 kam es zu Unruhen in Zürichs Kreisen 3 und 4, Wiedikon und Aussersihl, wo viele ausländische Arbeiter, darunter auch Italiener wohnten. Die Polizei war mit den Unruhen in Zürich-Wiedikon, welche gegen die dort ansässigen Italiener gerichtet waren, überfordert. Eine Rekrutenschule war schon einige Tage zuvor zum Ordnungsdienst aufgeboten worden, musste aber wieder zurück zur Ausbildung. Daher beschloss der Regierungsrat des Kantons Zürich, die „Bataillone der Infanterie 70 & 71 zu sofortigem Einrücken einzuberufen.“ (StaZh Q I 121 f)Beide Bataillone wurden unter das Kommando von Major Bünzli gestellt, der auch das Platzkommando von Oberst Isler übernahm, dessen Rekruten bis anhin im Einsatz waren und brenzligere Situationen überstehen mussten. Insgesamt waren 12 Offiziere, 61 Unteroffiziere und 410 Soldaten der Infanterie im Einsatz, sowie eine Escadron der Kavallerie. Am Nachmittag um 4 Uhr war die Truppe versammelt in der Kaserne und wurde eingeteilt in Patrouillen, wie Major Bünzli in seinem ersten Rapport an die Regierung vom Morgen des 30. Juli mitteilte. Ruhende Kompanien, d.h. nicht mit Wachgängen beschäftigte, wurden mit Theorie beschäftigt sowie Inspektionen von Kleidung und Material durchgeführt.

Die Soldaten im Einsatz waren vor allem besorgt, grosse Menschenansammlungen zu verhindern, das heisst sie mussten unablässig die Leute zum Beispiel an der Langstrasse zum Weitergehen auffordern und so Gruppenbildungen verhindern. Einige Male wurden sie angegriffen mit Steinwürfen, aber solche Gewaltakte konnten stets schnell unterbunden werden und die Aufrührer wurden ins Gefängnis gesteckt. Eine Kompanie unter Leitung eines italienisch sprechenden Oberleutnants wurde auch zur Beobachtung und Bewachung einer Versammlung der italienischen Arbeiterschaft in der Alhambra-Halle beim Triemli abkommandiert. Der Offizier musste einen ausführlichen Bericht abgeben, worin vor allem von den sozialistisch geprägten Reden die Rede ist, aber auch von Dankbarkeit gegenüber der Schweiz und der Schweizer Arbeiterschaft und Bedauern über die Ausschreitungen einiger „schlechter Elemente“, wobei gerade die eigenen Reihen nicht ausgenommen und bekräftigt wurde, Krawallmacher auszumachen und auszuliefern. Offenbar hatte die Kantonspolizei gerade keinen italienisch sprechenden Beamten zur Verfügung, weshalb das Militär auch diese Aufgabe übernehmen musste.

Nach einigen Tagen mit vielen Patrouillengängen und einigen Festnahmen, aber ohne Schussabgabe, wurde der Einsatz am 3. August beendet, und die Truppen konnten um 3 Uhr nachmittags schon wieder entlassen werden. In seinem Schluss-Rapport vom selbigen Tag resümierte Bünzli den Einsatz unter den Stichworten „Verwendung der Truppe“, „Beschäftigung der Truppe“, „Disciplin“, wobei letztere offensichtlich gut war, gibt es doch keinerlei Bestrafungen zu vermerken. Durch die aufgebotenen Truppen konnte die Ruhe schnell wieder hergestellt werden. Die Inf Bat 70 und 71 gerieten dabei in weniger brenzlige Situationen als die zuvor im Einsatz stehende Rekrutenschule unter dem Kommando des Schulkommandanten Oberst Isler, die einige Male kurz davor standen, von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. Es wurde niemand verletzt. Viele Italiener fühlten sich nach diesen Wochen allerdings unerwünscht und reisten in ihre Heimat zurück. Zu Kritik am Regierungs- und Stadtrat führte die zögerliche Haltung beim Einsatz des Militärs. Nach Meinung vieler hätten die Seebataillone schon viel früher einberufen werden sollen. Als sie endlich zum Einsatz kamen, war die Lage schon ein Stück weit eingedämmt, konnte dank ihnen aber endgültig entschärft werden. Das Militär erntete dabei, anders als die Politik, viel Lob auch in den Zeitungen, für den verhältnismässigen aber doch entschiedenen Einsatz, mit welchem der Pöbel zur Vernunft gebracht wurde.

Jahrhundertwende und Kaisermanöver

1911 wurde die 6. Division im Zuge der neuen Truppenordnung in 5. Division umbenannt, welche durch Neulingen aus anderen Kantonen erheblich vergrössert wurde.

Beim Besuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. im September 1912 nahm das Füs Bat 70 an den gross angelegten Manövern teil, mit welchen der Kaiser von der Wehrhaftigkeit der Schweiz und der Stärke ihrer Armee überzeugt werden sollte. Der Kaiser, der eine Uniform der Neuenburger Gardeschützen trug (Neuenburg hatte bis 1856 formell zu Preussen gehört), wurde von der Schweizer Bevölkerung, dem Korpskommandanten Ulrich Wille und der Schweizer Armee begeistert empfangen. Als Ehrenkompanie wurde eine Kompanie des Schützenbataillons 6 ausgewählt (das es auch immer noch gibt, mittlerweile mit dem Inf Bat 70 zusammen in der Geb Inf Brig 12). Wilhelm soll danach gesagt haben, die Schweiz erspare ihm für den Fall eine Krieges mit Frankreich, wie er nur zwei Jahre später eintreten sollte, eine ganze Armee, um den Süden zu sichern. Das Füs Bat 70 nahm mit der 5. Division an den grossen Manövern bei Wil teil. Nicht nur der Kaiser und seine Offiziere schauten zu, sondern auch viele Schaulustige aus der Region, und sie sahen einen Angriff der 5. Division auf von der 6. Division gehaltene Stellungen und beeindruckende Züge der Schweizer Offiziere und Soldaten. Man hielt es damals nicht für möglich, dass ein Milizheer eines demokratischen Staates solche Stärke haben konnte. Allerdings musste es sich nie in einem Ernstfall bewähren und alle Schüsse blieben „supponiert“, wie der Kaiser leicht spöttisch anmerkte.

Das Inf Bat 70 im Ersten Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg waren alle im Einsatz stehenden Truppen verpflichtet, ein Tagebuch zu führen. Darin zu vermerken waren nach Ziffer 84 DR der Bestand der Truppe, die erhaltenen und erlassenen Befehle – der Tagesbefehl ist jeweils drin – und „besondere Vorkommnisse“, um Aufschluss über die Tätigkeit während des Feldzuges resp. Instruktionskurses zu geben. Auch die Witterung wurde jeweils vermerkt.

Das Füs Bat 70 kam als Teil des Inf Rgt 28 und der 5. Division bereits ganz am Anfang zum Einsatz und wurde am 4. August 1914 einberufen. Der letzte Einsatz war von Mai bis September 1918, also bis zwei Monate vor dem Ende. Dazwischen lagen drei weitere Einsätze. Insgesamt leistete das Bataillon 632 Tage Aktivdienst.

Erster Einsatz: Mobilmachung im August 1914

Am 31.7.1914 wurde die Armee auf Pikett gestellt und die im Ausland lebenden Angehörigen des Auszugs und des Landsturms einberufen. Am 3. August folgte die allgemeine Mobilmachung. Bereits am Dienstag, 4. August um 9 Uhr früh trat das Füs Bat 70 auf dem Korpssammelplatz im Schulhaus an der Zürcher Limmatstrasse an. Es besammelten sich insgesamt 1103 Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten unter der Führung von Bat Kdt Emil Wegmann (Kdt 1910-16). Ausserdem gehörten 12 Reitpferde, 38 Zugpferde und 19 Fuhrwerke dazu sowie fürs erste 165.120 Patronen Gewehrmunition und anderes Material.

Am folgenden Tag konnten die Mobilmachungsarbeiten beendet und die ersten Kantonnemente in Neerach (bei Dielsdorf) bezogen werden. Ausbildung und Drill ging unverzüglich los, die Soldaten schossen, kämpften, lernten, übten mit dem Bajonett wie auch mit dem Dienstreglement. Bald verschob das Bat über Niederbipp nach Bettlach, wo in den nächsten Wochen die Ausbildung weiter ging. Hier war der Raum der 5. Division, die noch nicht an der Grenze war. Fern von der Grenzwachstimmung und mit dem sich entfernenden Kriegsgeschehen verflog die Hochstimmung der Mobilmachung rasch, und der nüchterne Ausbildungsalltag, wie man ihn von den WKs kannte, kehrte ein. (Gubler S. 148) Anfang September kam man doch noch an die Grenze: Das Füs Bat 70 machte Grenzwache bei Lützel (Lucelle, an der Grenze Basel-Land zu Jura), wo es das Bat 31 ablöste. Alarmstimmung herrschte am Sonntag, 6. September, als das ganze Bat in Pikettstellung versetzt wurde wegen Kämpfen zwischen deutschen und französischen Truppen in Grenznähe, doch am Abend wurde dies schon wieder aufgehoben, die Lage hatte sich entspannt. Nach eineinhalb Monaten übernahm die 3. Division, und die 5. Div zog sich in den Raum Langenthal zur Ausbildung zurück. Auch nahm sie an den ersten grossen Manövern teil, in denen die 3. gegen die 5. Division kämpfte. Mitte November ging es wieder an die Grenze bei Basel, wo die Soldaten sich häuslich einrichtete und bis im März blieb. (Gubler S. 149). Das Rgt Kdo konnte dabei nicht immer ganz zufrieden sein mit dem Füs Bat 70. So wird am Samstag 31. Oktober nach einer Verpflegungskontrolle vermerkt: „Beim Bat 70 waren die Fleischconserven zum Teil verloren, zum Teil von vereinzelter Mannschaft verzerrt (sic) worden.“ Ansonsten gab es wenig Probleme.

In Basel machte man Grenzschutz und bewachte Bahn- und Befestigungsanlagen, was jeweils eine Kompanie übernahm. Bei letzterem handelte es sich unter anderem um den von der Schweiz besetzten Badischen Bahnhof in Basel, der auf Schweizer Gebiet lag, aber zollrechtlich zu Deutschland gehörte. Die anderen Kompanien machten Ausbildung oder zur Abwechslung was ganz Anderes: „4.15 I. und IV. Kp. Vortrag im Bernoullianum über England mit Projektionen.“ Am 31.12 gab es einen Sylvestergottesdienst im Münster Basel, danach kompanieweise Sylvesterfeier; zu Neujahr Ausgang in der Stadt an einem sehr schönen Tag. Am 7. Januar übernahm das Inf Bat 70 den Grenzschutz rechts des Rheins beim Grenzacherhorn, in Riehen und Otterbach. Eine Kompanie wurde jeweils dafür abgestellt, eine zweite machte „Hauptwache“ in der Stadt.  Die übrigen Kompanien machten Ausbildungen, exerzierten, machten „Reisemärsche“ und nahmen an Gefechtsübungen teil. Hin und wieder waren Sappeurarbeiten zu erledigen. Die Offiziere erhielten vertiefte Ausbildung im theoretischen Bereich mit verschiedenen Fächern von Taktik über Sanitäts- und Verpflegungsdienst bis zu Kriegsgeschichte und Soldatenpsychologie. Den Unterricht erteilt hauptsächlich der Rgt Kdt Oberstleutnant Gustav Keller mit Hilfe einiger Stabsoffiziere. Jedes Bataillon hatte auch eigene Unteroffiziers- und Offiziersschulen. Am 2. März wird unter „Abgänge“ vermerkt: „1 Urlauber. 1 Füsilier vor Kriegsgericht.“ Über dessen weiteres Schicksal resp. warum er dorthin kam wird nicht berichtet. Am 6. März wurde schliesslich der Grenzschutz am Rhein vom Bat 50 übernommen, und das Bat 70 fuhr nach Zürich zur Demobilmachung, wo am 12. März 1915 Entlassung war. Lange sollte es aber nicht gehen, und die Soldaten des Inf Bat 70 mussten wieder einrücken. Sie wussten jetzt aber, wie es lief: „Die 7 Monate Dienst haben uns, dank treuer Pflichterfüllung, zu Soldaten gemacht. Dies anzuerkennen ist mir eine Freude.“ Und weiter: „Wir leben in einer grossen, ernsten Zeit und wissen nicht, was die Zukunft uns bringt. Wir haben bereit zu sein, um auf den ersten Ruf wieder zur Verfügung zu stehen.“ Damit beschliesst der Rgt Kdt den letzten Eintrag des ersten Aktivdiensteinsatzes.

Aktivdienst: August 1915 bis März 1916

Am 31. August rückten 1185 Mann ein, 194 blieben aus verschiedenen Gründen zuhause, 223 wurden am Einrückungstag entlassen (Gründe sind keine vermerkt). Die ersten Tage verliefen immer gleich: Material wurde ausgetauscht und ersetzt, Pferde übernommen, auch feldgraue Uniformen wurden ausgegeben (eine einheitliche Uniform wurde erst mit Beginn des Aktivdienstes wirklich durchgesetzt, obwohl schon lange geplant, vorher gab es noch lange verschiedene Farben wie Rot und Blau, die im Feld nicht besonders dienlich waren.) Korpsmaterial wurde gefasst und die Mobilmachungsarbeiten durchgeführt, welche am nächsten Abend um 6 beendet wurden. Gegen Mitternacht wurde man auf die Züge verladen und fuhr Richtung Tessin. Am nächsten Tag um 8 Uhr früh erreichte man Lugano, wo die III. und IV. Kp Kantonnemente bezogen, Stab, I. und II. Kp wurden in Mendrisio untergebracht. Der Kriegseintritt Italiens im Mai 1915 und Kämpfe im Nordosten Italiens zwischen Italien und Österreich-Ungarn hatten eine Verstärkung der Südfront nötig gemacht, welche jetzt die 5. Division übernahm.

Es war ein regnerischer Septembertag, an dem das Bat sogleich den Grenzschutz vom Bat 25 übernahm. Es wurden nur wenige Posten benötigt, so dass der grosse Teil des Bat Ausbildung machen konnte. Neben Zugschule, Schiessen und Sport stand auch Italienischunterricht auf dem Programm, denn die meisten waren zum ersten Mal im Tessin und die meisten der Sprache des südlichen Landesteils nicht mächtig; auch Theorie über die italienische Armee gab es, welche ennet der Grenze stand. Tägliche Marsche und gelegentliche Pionierarbeiten waren ebenso dabei. Sonntag war jeweils Ruhetag, ausser für die Grenzposten, die in den Stellungen blieben. Der Gottesdienst vor Ort konnte besucht werden, was im Tessin allerdings nur für italienischsprachige Katholiken interessant war. „Übrige Mannschaft 1 Std. Inspektionen über Käppi Waffenrock & Bajonnet auch darüber ob die Leute anständig rasiert seien“. Am Nachmittag Ausgang an einem sehr schönen Tag, und am Abend: „9.30 A Kant. Verlesen, sämtliche Mannschaft ist zeitig eingerückt“. In der nächsten Woche übte man den modernen Krieg: „1.30-4.00 Erstellen eines Muster-Schützengrabens“. Ansonsten stand viel Sport und Turnen und „sportliches Turnen“ auf dem Programm. Am 22. Oktober gab es eine Inspektion durch das Divisions-, das Brigade- und das Regimentskommando, danach „photographische Aufnahme der Kp.-Retablierungsarbeiten“, welche leider nicht auffindbar ist.

Der durch „ein selten schönes Herbstwetter begünstigte Tessinerdienst“ (General Wille, cf. Gubler S. 151) blieb den Truppen der gesamten 5. Division in guter Erinnerung, wie auch Robert Faesi im „Füsilier Wipf“ ausgeführt hat. (Faesi war allerdings im Vortragsdienst der Armee und nicht in der 5. Div). Nach Regiments-Übungen im November wurde die Hälfte der Bestände entlassen. Man versah den Rest des Dienstes mit reduziertem Bestand, allerdings wurden keine Kompanien zusammengelegt, damit man die Urlauber sofort wieder normal hätte können eingliedern. Im Füs Bat 70 hatten ab 19. November 245 Leute Urlaub, der Bestand reduzierte sich von knapp 900 auf knapp 600 Mann. Trotzdem machte man im November und Dezember viele Gefechtsübungen.

Am 3. November ging es los mit einer halbtägigen Bataillonsgefechtsübung. Zwei Tage später folgte eine Übung im Regimentsverband, d.h. mit den Bat 66,70,71 und der Mitr. Kp. II/5 (später wurde jedem Bataillon eine Mitr.Kp. zugeteilt, die allerdings organisatorisch beim Rgt blieb und dessen Nummer trug; hier trägt die Kp noch die Nummer der Division). Über diese Gefechte sind jeweils umfangreichere Notizen beigelegt. Eines davon soll hier kurz vorgestellt werden. Das Bat 70 stand um 9.00 mit der Mitr. Kp. an der Spitze des Regiments an der Strasse Lugana-Taverne (nach Norden). Der Gefechtsplan sah vor, dass der Gegner auf der Linie Taverne – Sala – Campesto Stellung bezogen hatte (im Norden).  Als Vorhutbataillon trat das Bat 70 um 9.30 den Vormarsch an, um den gegnerischen linken Flügel festzustellen. Bei Carnago im Nordwesten, kurz vor Taverne, geriet das Bat unter Schrapnell-Feuer, worauf der Rgt Kdt beschloss anzugreifen, mit dem Bat 70 als äusserste Einheit links. Auf schlecht gangbarem Feld eröffneten Kp. II u. III schliesslich den Angriff um 11.00 und arbeiteten sich weiter vor. Bis zum Gefechtsabbruch um 12.45 hatten sie sich bis auf 200 Meter an die feindlichen Stellungen herangearbeitet. Der Munitionsverbrauch blieb mit 2 blinden Patronen pro Mann bescheiden. Bat Kdt Major Wegmann befand in der Übungsbesprechung den Zustand der Truppe als gut.

Auch mit reduziertem Bestand ab 19. November ging es normal weiter, mit Ausbildung, gelegentlichen Übungen und Grenzschutz. Zum Wettturnen des Regiments schickte das Bat 70 gleich 108 Mann. Auch im Strassenbau und bei Grabarbeiten half das Bat aus. Aufgrund einiger Scharlachfälle wurde folgende Massnahme getroffen: „Als Vorbeugungsmittel gegen Infektionsgefahr (Scharlach) muss die Mannschaft täglich antreten zum gurgeln.“ Am 9./10., 13./14., 15./16. und 17. Dezember gab es mehrere Übungen im Brigadeverband (Brig 14), bei denen sich das Bat gut schlug. Zum Abschluss defilierte die ganze 5. Division vor General Wille. Am 18. Dezember gab es eine Dislokation, das Rgt 28 marschierte mit dem Bat 70 an der Spitze von Sala über den Monte Ceneri nach Bellinzona, wo es ein Defilee vor dem Rgt Kdo 28 gab und danach die Unterkünfte bezogen wurden. Es standen vor allem Reinigungs- und Retablierungsarbeiten auf dem Programm, neben kleineren Ausbildungsblöcken, auch einmal ein Gebirgsmarsch – bei schöner Witterung, aber tiefen Temperaturen (es ist immerhin fast Weihnachten). Dies wurde sogar an Heiligabend gemacht.

„Am Abend feiern die Komp. im Rahmen der Einheiten Weihnachten, gemäss Reg. Bef. wurden die Feiern in einem durchaus würdigen und einfachen Ort durchgeführt.“ Am Weihnachtstag gab es einen Feldgottesdienst und Ausgang. „Für den Abend sind eine ganze Zahl von Sold. zu Familien eingeladen.“ Um 9.30 war Abendverlesen, dann mussten sich die Soldaten in der Unterkunft einfinden. Am Sonntag, 26. Dezember, hatte man den ganzen Tag frei: „Eine grössere Anzahl Sold. ist zum Mittagessen wieder zu den Familientischen der Bevölkerung eingeladen.“ Am Nachmittag wurden die Weihnachtspakete der Stadt Bellinzona in Empfang genommen. Dann war Weihnachten schon vorbei, und es ging weiter mit Ausbildung, Märschen auf den Monte Croce und für jeweils eine Kompanie mit Grenzschutz. An Sylvester gab es wieder eine Feier, jeweils in den Kompanien, und am Neujahrstag einen Feldgottesdienst. „Nach dem Feldgottesdienst geht die Bat. Fahne mit 1 kriegsstarken Zug zum Wachtaufzug auf den Platz vor der Kirche Bellinzona. Defilee der 3 Fahnen und 4 Zügen vor Brig. & Reg. Kdo.“ Zum neuen Jahr gab es am 4. Januar auch eine Umkleidung, die den ganzen Tag dauerte; jeder Soldat erhielt eine neue feldgraue Uniform, die laut Rgt Kdo „im allgemeinen sehr gut passt“. Erst jetzt waren die Einheiten einheitlich eingekleidet. Die ersten Urlauber kehrten wieder zurück, und die zweite „Urlaubs-Staffel“ konnte nach Hause gehen; der Bestand des Bataillons blieb bei 500 Mann. Ende Januar gab es eine grössere Übung mit allem drum und dran: ein Sappeurangriff auf eine Schanze wurde simuliert, mit Unterstützung durch Maschinengewehre und mit Angriffen durch die Infanterie. Schliesslich schaffen es die Sappeure unter Hurra-Rufen des Bat, die Sturmbrücke über den Graben zu legen, und die Übung ist beendet. Am 31. Januar schied die II. Kp aus dem Frontrapport des Bat aus und wurde dem Gotthardkommando unterstellt. Die erste Aufgabe war Bahnbewachung in Amsteg. Ende Februar stiessen sie auf dem Rückmarsch nach Zürich in Altdorf wieder zum Bataillon. Neben weiterer Ausbildung und gelegentlichen Übungen und Übungsmärschen kamen Kompaniekommandanten und Stabsoffiziere in den Genuss einer „Kriegspielübung“ im Restaurant Unione, ebenso gibt es ein Brigadeessen in Locarno im noblen Hotel Belvedere. Im Regiment wird auch beschlossen, aus den Haushaltungskassen Fechtmaterial anzuschaffen, um Fechtkurse vor allem für die höheren Unteroffiziere aller Bataillone abzuhalten. Zum Abschluss gab es am 8. Februar einen Marsch im Regimentsverband. Die 48 Kilometer lange Strecke lag oft auf gefrorener oder von Fuhrwerken schlecht gangbar gemachten Strassen und Wegen. Auch das Wetter spielt nicht mit: „Leider erscheint während des ganzen Marsches die Sonne nicht, so dass die Absicht des Herrn Reg Kdt, den Leuten die Schönheiten des untern Tessinthales zu zeigen, nicht ganz erfüllt wurden.“ Von Bellinzona ging man in einem Rundkurs über Cadenazzo, Quartino, Locarno, Cugnasco, Sementina und nach Bellenz zurück. Abmarsch um 7, um 12 Mittagspause in Locarno, um 4.50 wieder in Bellenz. Zwei Leute des Inf Bat 70 „blieben infolge schlechter Füsse zurück“. Ansonsten war der Marsch ein Erfolg.

Am 22. Februar begannen die Vorbereitungen für den Abmarsch. Vom Rgt Kdo kam der Befehl, Korpsmaterial innerhalb des Regiments auszugleichen, „da vom Zeughaus für zu wenig abgegebenes wohl Rechnung gestellt, für zuviel abgegebenes aber keine Vergütung bezahlt wird.“ Über Biasca ging es nach Rodi-Fiesso, dort standen für einige Tage Retablierungsarbeiten an. Wegen des heftigen Schneefalls musste das Bat helfen, Strassen und Wege freizuräumen. Wegen der Lawinengefahr fuhr man per Bahn durch den Gotthard. Von Altdorf aus marschierte man in drei Tagen mit Aufenthalten in Brunnen und Richterswil nach Zürich, was einer Strecke von etwa 3 mal 30 Kilometern entspricht; das Wetter spielte mit, es war sonnig und gelegentliche Föhnstürme brachten warme Luft. Am Mittwoch 1. März langte man in Zürich auf dem Korpssammelplatz Schulhaus Limmatstrasse an, nachdem man mit der ganzen Brigade am Divisions- und Platzkommando vorbeimarschiert war. Vorerst wurde aber nur retabliert und nicht demobilisiert, die Marschbereitschaft blieb erhalten, bis der General am 6. März die Demobilmachung der 5. Division befahl. Am 8. März konnte die Mannschaft entlassen werden. In diesem Jahr wurden sie nicht mehr aufgeboten.

3. Aktivdienst: Januar bis Mai 1917

Im Jahre 1917 wurde das Inf Bat 70 zweimal aufgeboten, allerdings für kürzere Dienste als vorher. Es fing bereits im Januar an, nachdem man seit vorigem März Pause gehabt hatte. Am 25.1 war Versammlung in Zürich. In vier Marschtagen gelangte man bei Temperaturen von bis zu minus 15 Grad schliesslich in Oberdiegten an, zwischen Basel und Olten gelegen, im Gebiet der Fortifikation Hauenstein. Klagen aus der Truppe wurden keine vermerkt, man war wohl warm eingepackt. Auch gab es nicht mehr Kranke als üblich. Die nächsten Tage und Wochen machte man Ausbildung, vor allem Wachtdienst. Am 1. Februar standen zum Beispiel auf dem Programm je eine Stunde „Einzelausbildung, geschlossene Zugschule, Innerer Dienst, Anstandslehre, danach 1 Std. Turnen, Drill-Einzelausbildung“. Die Temperaturen gingen runter bis zu -21°C, „andauernd strenge Kälte“ vermerkt das Rgt Kdo. Die Kompanie erhielt in diesen Tagen grossen Zuwachs, am 7. und 8. Februar insgesamt 72 neue Soldaten, und für die „Rekruten und Nachgemusterten“ wurde Spezialunterricht durchgeführt. In den nächsten Wochen standen Pionierarbeiten an sowie Wachtdienste auf dem Hauenstein. Bei einer Inspektion war Major i Gst Stoll nicht zufrieden mit dem Fortgang der Arbeiten, doch das Bat Kdo konnte überzeugend darlegen, dass es nicht an Motivation, sondern an Mitteln fehlte. Die Arbeiten wurden dennoch fortgeführt.

Anfang März wurden vor allem Arbeiten an verschiedenen Strassen im Raum Hauenstein durchgeführt. Die Ausbildung wurde aber nicht vernachlässigt.

Nach drei Marschtagen mit gut 80 km langte man am 10. März in Büren, Dotzingen und Busswil an, wo die Kompanien untergebracht werden.

Am 13. März um Mitternacht begann eine „Armeeübung für die Bereitstellung an der Nordwestfront“ mit der gesamten 5. Division. Das hiess: Marschbereitschaft erstellen und abwarten. Erst am Mittag des darauffolgenden Tages ging es los: Mit dem Zug ging es erst nach Tavannes (nördlich von Biel) und zu Fuss weiter nach Le Fuet, wo eine „etwas knappe aber ordentliche“ Unterkunft bezogen wird. Am nächsten Tag im Regimentsverband weiter nach St. Brais, und bald weiter nach Chatillon, wo die Mannschaft Unterkunft bezog  - „die Truppen sind stark durchnässt – die Mannschaft bleibt möglichst in den Kant. zum trocknen der Kleider“. Am nächsten Tag kam um 5.15 in der Früh die Alarmmeldung, und um 6.10 ist das Bat marschbereit. Nach einem Marsch auf Délemont wurde die Übung um 8 Uhr für beendet erklärt. Es folgten „Reinigungsarbeiten auf dem Felde – Morgenverpflegung“. Nach einigen Inspektionen kam das Bat um 6 Uhr abends wieder in Büren an, wo die alte Unterkunft bezogen wurde. Es ging weiter mit Ausbildung. Während die Kp III/70 nach Fleurier zum Grenzschutz ging, verschob der Rest nach Gampelen (zwischen Bieler und Neuenburger See). Auch dort arbeitete man an der Festung, zum Beispiel an Waldstellungen bei Gals oder anderswo: „Truppen: Fortsetzung der fortifikatorischen Arbeiten am Jolimont“, vermerkte das Rgt. Am Karfreitag, 6. April wurde Bat Kdt Ammann vom Hauptmann zum Major befördert. Die Arbeiten ruhten an Ostern: „Ab 1.30 h wird die Mannschaft kompagnieweise zu einem gemeins. Spaziergang zusammengenommen“. Das Regiment stellte aber klar: „Wirtshausbesuch vor der Abendverpflegung ist verboten.“ Ein Abstecher zur „petite Gilberte“ lag also nicht drin. Nach Ostern gingen die Festungsarbeiten weiter. Nur bei starkem Regenfall blieb man in den Unterkünften und machte Ausbildung.

Ende April kam das Bat wieder in Zürich an. Am Vorabend des 1. Mai herrschte Alarmstimmung in der Stadt, und das ganze Inf Rgt 28 sowie die Guiden Abt 5 wurden auf Pikett gestellt. Die Polizeiorgane konnten direkt die Hilfe der nächststehenden Einheit anforden, ohne Umweg über das Div Kdo (der Bat Kdt muss aber sofort Meldung machen). Im Befehl rief Div Kdt Oberstdivisionär Steinbuch ausserdem die Regeln für den Ordnungsdienst ins Gedächtnis: von der Schusswaffe sollte nur im äussersten Notfall und nach dreimaliger Warnung Gebrauch gemacht und generell zurückhaltend aufgetreten werden. Leute, die Anordnungen Widerstand leisten oder gewalttätig werden, sollen aber sofort verhaftet und unauffällig weggebracht werden. Bis nach Mitternacht bleiben die Bataillone auf Pikett. Das Rgt Kdo vermerkte am nächsten Tag: „Der Tag verlief ruhig und musste nirgends militärisch eingeschritten werden.“ Die nächsten Tage verliefen so: „Die Truppen retablieren & demobilisieren.“ Am Samstag, 6. Mai wurde das Regiment entlassen.

4. Aktivdienst: August bis Oktober 1917

Die zweite Mobilmachung 1917 dauerte nur zweieinhalb Monate. Am 7. August war Besammlung am gewohnten Platz beim Schulhaus Limmatstrasse. Mit 30 Offizieren, 135 Unteroffizieren und 876 Soldaten sowie 51 Pferden rückte das Bataillon am nächsten Tag aus und fuhr nach Basel, wobei Kp IV/70 schon am Morgen nach Olten geht und dort dem Kommando der Festung Hauenstein unterstellt wird. In Basel übernimmt Kp II/70 gleich die Platzwache, während Kp I/70 den Grenzschutz beim Badischen Bahnhof übernimmt und Kp III Unterkünfte bezieht. So ging es bis Mitte September. Eine Kompanie machte Platzwache, eine Kompanie machte Grenzschutz, die anderen zwei machten ihre Ausbildungsroutinen. Bei der Eröffnung der Feld-Unteroffiziers-Schule des Regiments wurde Leutnant Bremi von Kp II/70 als Ausbilder engagiert, Hauptmann Gilg von I/71 war Schulkommandant. Soldaten aus allen Kompanien wurden in diese Schule geschickt.

Am 11. September übernahm schliesslich das Inf Bat 67. Am gleichen Tag verliess das Bat 70 die Stadt nach Grellingen, von dort marschierte man am nächsten Tag in den Jura nach Courroux bei Délemont. Dort war man vor allem mit „Befestigungsarbeit (Hindernisbau) an der Talsperre bei Soyhières“ beschäftigt. Eine Woche später verliess man den Jura und dislozierte nach Reigoldswil im Basel-Land, alles zu Fuss: „Marschmarode keine, vor dem Halt bei Nunningen 3 leichte Fälle von Hitzschlag“. In dieser Region blieb das Bat eine Weile und machte Ausbildung, vor allem Schiessen. Mitte Oktober war Abmarsch nach Zürich und kam nach einigen Zwischenhalten dort an und das Bat wurde am Donnerstag 18. Oktober entlassen und hatte über ein halbes Jahr Pause.

Letzter Einsatz: Mai bis September 1918

Am Montag, 27. Mai besammelte sich das Bat im Hofe des Schulhauses Limmatstrasse in Zürich zum Verlesen. 29 Offiziere, 162 Unteroffiziere und 1015 Soldaten waren eingerückt. 115 davon gingen zur sanitarischen Eintrittsmusterung, wobei 52 für tauglich befunden, der Rest temporär dispensiert oder zur weiteren Überprüfung weitergeschickt wurde. Am nächsten Tag wurden Züge formiert, Korpsmaterial ausgeteilt, die Bat.-Fahne abgeholt, und „Fussinspektionen und Fusspflege“ durchgeführt – schliesslich sollte man marschtauglich sein. Um 16.15 war Abmarsch nach Dietikon, wo man gegen 19 Uhr ankam und Kantonnemente im Rayon des Schulhauses bezog. Es ging jedoch am nächsten Tag schon weiter – Tagwache 3.30, Abmarsch 5.15, Marsch über Baden und Turgi nach Brugg, Ankunf t gegen Mittag. Am nächsten Tag ging es weiter nach Dänikon, wo es am Freitag den ersten Ruhetag gab, der für Reinigungs- und Retablierungsarbeiten verwendet wurde. Über Olten und Laupersdorf weiter nach Moutier, von da erreichte man am 3. Juni die Barackenlager im Bezirk Délemont, nahe an der französischen Grenze. Das Bat.Kdo. quartierte sich im Gasthause La Haute-Borne ein. Das Kommando des Inf. Rgt. 28 war in der Nähe stationiert. In einer Woche war man gut 150 Kilometer marschiert. Deshalb gab es immer wieder befohlene Fusspflege. Die Schweizer Armee war zu Beginn des 1. Weltkrieges ungenügend motorisiert, weshalb fast alle Verschiebungen zu Fuss oder mit der Bahn stattfanden.

Die Truppenunterkunft machte fürs Erste einen „trüben Eindruck“, es waren weder Büro- noch Essräume vorhanden und fehlte an fliessendem Wasser, was sich beim trockenen und warmen Wetter empfindlich bemerkbar machte. Man begann sofort mit Einrichtungsarbeiten, um die Mängel zu beheben. Am Mittwoch, 5. Juni konnten den Kompanien schliesslich die Übungsplätze im Gelände um das Lager zugewiesen werden, wo sie die nächsten Tage verschiedene Sachen übten, das hiess: Schiessausbildung, Handgranatenwerfen, Bajonettfechten, Winkerdienst (d.i. das Übermitteln von Nachrichten durch Winken mit Fahnen). Dies wurde die nächsten Tage gemacht, dazwischen immer wieder: „Fussbaden und Retablierungsarbeiten“. Der Sonntag war frei, es fand aber kein Gottesdienst statt. Vermerkt wird dagegen die auffällig hohe Zahl von Grippekranken von 20-30 Mann pro Kompanie.

Einmal pro Woche gab es Bataillonsübungen, wie z.B. am 11. Juni, bei der auch das Rgt Kdo anwesend war. Es ging um das Verhalten im Gelände, die Truppe marschierte auf steilen Bergwegen und über ein kleines Tal und wurde schliesslich an einem Waldrande bereitgestellt. So wurde das Gefechtsverhalten im grösseren Rahmen geübt. Ansonsten gab es vor allem Einzelausbildung, aber auch Zugschule, Turnen, Theorie und „Zugsgefechtausbildung“. Am nächsten Sonntag gab es schon wieder keinen Feldgottesdienst, er fiel aus wegen schlechter Witterung. Diese wird beschrieben mit „starker Regen, stürmisch & kalt“. Die Folge davon: „Die Mannschaft verbleibt zum grössten Teil in den Kant.“ Was sie dort ausser der Mittagsverpflegung um 12 und der Abendverpflegung um 6 machte, wird nicht vermerkt. Am Montag ging es früh weiter mit Schiessausbildung auf dem Schiessplatz Délemont. Die auf Dienstag angesetzte Bat-Übung konnte wegen der anhaltenden schlechten Witterung nicht durchgeführt werden, dafür gab es Turnen und Einzelausbildung in den Unterkünften. In der folgenden Woche, schon Anfang Juli, wurden alle Kompanien besichtigt durch das Regimentskommando. Ausserdem gab es ein neues  „Übungshindernis“, das alle Kompanien überwinden mussten. Am Freitag, 5. Juli fand schliesslich eine „Dislokation“ statt. In Délemont stieg man in den Zug nach Basel, wo die Kompanien verteilt wurden: Kp III/70 steigt schon in Olten aus, I/70 fährt nach Rheinfelden weiter, Stab und II nach Laufenburg, IV nach Zurzach. Am darauffolgenden Tag übernahm man vom Bat 67 den Grenzschutz für die betreffende Region. Für das Spiel des Bat gab es an diesem Tag einen Ausflug nach Horgen, wo es am Armeetag einen Auftritt hatte. Nach einem Monat Ausbildung und Übung war das Bat wieder im Ernsteinsatz und verbrachte die Tage an der Grenze zu Deutschland, zwischen Basel und Schaffhausen. Das Tagebuch vermerkt von den Kompanien keine Meldungen, keine besonderen Vorkommnisse. Nur Kp IV/70 konnte am Posten Koblenz einen Schokoladenschmuggler festnehmen. Der Bat Stab erholte sich vom „Bureaudienst“ und erquickte sich: „Stab 70 badet im Rhein beim Kraftwerk Laufenburg.“ Am Rheinufer werden zwei Russen aufgegriffen, die über den Fluss geschwommen sind, und interniert. Immer wieder gab es Besichtigungen und Inspektionen durch den Stab, der Kdt traf sich mit dem Abschnittskommandanten Oberst Füglistaller und dem Regimentskommando. In der Kp I/70 forderte die grassierende Grippe ein Todesopfer, den Füsilier Merz, der nach Wald überführt und dort beerdigt wird. Immer wieder schafften es Flüchtlinge, über den Rhein zu schwimmen, so wurden auch am 24. Juli ein Russe und ein Franzose aufgegriffen.

Anfang August war eine Dislokation angesagt, das Inf Bat 68 übernahm den Grenzraum. Mit dem Zug ging es nach Schlieren, die Truppe nahm Quartier im Limmattal, in Weiningen und Engstringen. Nach Beziehen der Unterkünfte ging es weiter mit Ausbildung und Inspektionen, und am Sonntag gab es mit dem Ausgang im Rayon Zürich wieder mal Gelegenheit, die Liebsten zu besuchen, was der Stimmung trotz des „trüben und regnerischen“ Wetters sicher gut getan hat. Einige Tage später wieder zurück in die Stadt, ins Schulhaus Limmatstrasse, danach Schulhaus Schanzengraben und Kaserne als Unterkünfte, weiter mit Einzelausbildung, teilweise mussten auch Platzwachen übernommen werden. Daneben war Zeit für ein Besuch im Landesmuseum oder bei anderen Ausstellungen. Dies war von General Wille bereits 1915 initiiert worden, es gab Vorträge und Staatskundeunterricht und wenn möglich eben auch solche Ausflüge, um die Soldaten abzulenken und andersweitig zu fordern. In einem heissen Sommer gingen die Soldaten so oft wie möglich baden. Auf einem Marsch nach Meilen wurden sie „sehr frdl. empfangen und bewirtet“, wie vermerkt wird, neben der Witterungsangabe „sehr schön, sehr heiss“. In Zürich wurde ansonsten Einzel-, Zugs- und Kompanieausbildung betrieben, meist auf der Allmend, manchmal auch auf dem Zürichberg oder Käferberg. Einer Warnung auf „bevorstehende Unruhen durch die Jungburschen“ folgte erhöhte Alarmbereitschaft, aber kein Einsatz. Da man sich immer noch im Kriege befand, übte man auch Gefechte mit grossen Übungen und Vorposten- und Patrouillen-Übungen.

Lange ging es nicht mehr. Anfang September begannen die Vorbereitungen für die Demobilmachung, welche bald vollzogen wurde. Am Samstag, dem 7. September 1918, zwei Monate bevor der Erste Weltkrieg mit der Kapitulation des Deutschen Reiches endgültig aufhörte, hatte das Füs Bat 70 um 4.30 Tagwache wie immer. Nach letzten Rückgaben und Aufräumarbeiten wurde das Bataillon um 10 Uhr zur Entlassung bereit dem Platzkommando gemeldet. Es war ein „sehr schöner und sehr warmer“ Tag, und um 11.15 konnten die meisten der 899 Mann nach Hause gehen, um 1.15 wurde auch das „Bat.Bureau“ aufgehoben und das Kapitel Aktivdienst im Ersten Weltkrieg war damit für das Füs Bat 70 beendet. Insgesamt waren 678 Diensttage geleistet worden.

Übersicht: Einsätze des Inf Bat 70 im Ersten Weltkrieg

4. August 1914 bis 3. März 1915 (Journal 1 und 2)
31. August 1915 bis 9. März 1916 (Journal 2 und 3 und 4)
24. Januar 1917 bis 5. Mai 1917 (Journal 4 und 5)
7. August 1917 bis 18. Oktober 1917 (Journal 5)
27. Mai 1918 bis 7. September 1918 (Journal 6)
678 Diensttage insgesamt

Zwischenkriegszeit: 1918-1939

Im November 1918 war der Weltkrieg vorbei, nicht aber der Einsatz der Armee. Bis 1920 hatten sie verschiedene Ordungsdiensteinsätze zu leisten, unter anderem beim Generalstreik, bei dem sogar einige Demonstranten von Gewehrschüssen getötet wurden. Das Inf Bat 70 kam jedoch nicht zum Einsatz dabei.

Die Lehren aus dem Weltkrieg waren verschiedenartig. Einerseits gab es ernsthafte Hoffnungen auf langwährenden Frieden durch internationale Verträge und den neu gegründeten Völkerbund, den Vorläufer der UNO. Das Budget der Armee wurde erheblich gekürzt, was zu Verschlechterungen führte. Erst nach Hitlers Machtübernahme 1933 änderte sich die Stimmung und erhielt die Armee mehr Geld.

1924 wurden versuchsweise „ein sogenannter Kadervorkurs von 3 Tagen mit sämtlichen Offizieren, d.h. auch den Subalternoffizieren, durchgeführt“. (Gubler S. 167) Das Füs Bat 70 machte dabei aber noch nicht mit. Erst 1928 wurden KVK offiziell eingeführt.

1938 wurde die 5. Division im Zuge der neuen Truppenordnung von 1936 wieder in 6. Division umbenannt. Die Bevölkerung Zürichs war aber zu gross für eine einzige Division, so dass Zürcher Soldaten nicht nur in der 6., sondern auch in anderen Divisionen eingeteilt waren. Neuer Kommandant wurde Oberstdivisionär Herbert Constam (1885-1973), später wichtiger Berater von General Guisan und Kommandant des 3. Armeekorps.

1939 gab es übers ganze Jahr bis zum Kriegsausbruch WKs. Das Füs Bat 70 machte im Juni in Wetzikon im Verband des Inf Rgt 28 seinen Dienst. Die schlechte Stimmung wegen der kritischen internationalen Lage wurde durch die geistige Landesverteidigung aber aufgehellt, und als der Krieg ausbrach, stand man bereit. Einige Einheiten rückten direkt aus dem WK zur Mobilmachung ein.

Major Ernst Ammann führte das Füs Bat 70 auch in den ersten Nachkriegsjahren, bis 1922. Danach folgten Wilhelm Rebsamen (1923-1927), Hellmuth Tiegel (1928-1931), Erhard Gull (1932-1936). 1937 übernahm Major Karl Gossweiler, der das Bat bis Ende 1939, also auch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges führte.

Das Inf Bat 70 im Zweiten Weltkrieg

Beginn des Zweiten Weltkrieges: 1939/40

„Am 1. Sept. 1200 h verkündet der schweizer. Sender den Beschluss des B.R. betreff.
Kriegsmobilmachung:
Der 2. Sept. ist 1. Mob.-Tag. Verschiedene Of., soweit mir bekannt ist der Adj. des Bat. & der Schreiber sind schon am 1. Sept. abends auf dem Korpssammelplatz eingetroffen, um die ersten Vorarbeiten persönlich zu treffen. Die Bahnhöfe sind arg überfüllt, besonders Zürich & Uster, die ich beim Einrücken passierte." (Stabskp 70 Journal 1)

Mit diesen Worten beginnt Hauptmann Alfred Ammann, Kommandant der Stabskompanie, das Tagebuch, das alle Kompanien im Zweiten Weltkrieg zu führen hatte. Verschiedene Offiziere des Inf Rgt 28, zu dem das Füs Bat 70 gehörte, gaben nach dem Aktivdienst einen Erinnerungsband heraus. Darin schildern alle Bataillonskommandanten sowie der Regimentskommandant kurz den Verlauf des Aktivdienstes aus ihrer Sicht. Dazu werden verschiedene traurige oder lustige Anekdoten vorgestellt. Insgesamt 832 Tage Aktivdienst leistete das Füs Bat 70. Es begann mit einem langen Dienst bei Kriegsausbruch und endete mit der Bewachung von Interniertenlagern, als der Krieg schon vorbei war. Kommandant des Bat war Major Carl Gossweiler, der allerdings nur bis Ende 1939 blieb; sein Nachfolger war Oberstleutnant Ernst Altorfer, der am 1.1.1940 übernahm und bis Kriegsende blieb.

Neben dem Kommandanten waren im Bat Stab nur der Adjutant, ein Nachrichtenoffizier, ein Arzt und ein Quartiermeister. Im Regimentsstab waren mehr Offiziere tätig: Kommandant, Adjutant, Nachrichtenoffizier, Telephonoffizier, Funkeroffizier, Gasoffizier, Parkoffizier, Arzt, Zahnarzt, Apotheker, Veterinär, Trainoffizier, Quartiermeister, und Feldprediger beider Konfessionen. Im Inf Rgt 28 waren neben dem Bat 70 die N.Kp.28 (Nachrichtenkompanie) und die Gren.Kp.28 sowie Bat 66 und Bat 71. Das Regiment leistete den Dienst jeweils geschlossen in einem Rayon. Oft war man im Kanton Zürich, ab und zu in der Innerschweiz in den Réduitstellungen, erst gegen Schluss auch an der Grenze im Jura.

Am Samstag, 2.9.1939, rückte die Truppe um 9.00 am Korpssammelplatz in Uster ein. Es „strömen die Feldgrauen ... in Scharen herbei." (Stabskp 70, Journal 1) Die Züge hatten erhebliche Verspätungen wegen der riesigen Menschenmassen, die es zu transportieren galt, aber die meisten schafften es halbwegs pünktlich. Nach „Verlesen, sanitarischer Eintrittsmusterung, Inspektion der pers. Ausrüstung, Fassen, Anpassung der Gasmasken" (Stab Inf Rgt 28 Journal 1) wurde um 1630 das Füs Bat 70 durch den Regimentskommandanten, Oberstleutnant Rudolf Vetter, vereidigt. Es war ein feierlicher Anlass: „Fahnenübergabe, Meldung des Bat., Ansprache des Rgt. Kdt., Verlesen der Kriegsartikel durch Rgt. Adj., Beeidung, ‚Rufst du mein Vaterland', Abmeldung des Bat. Soldat, wie auch Zivilist, sind von diesem militärisch-strengen Akt tief ergriffen!" So beschrieb es Rgt. Adj. Hptm Meyer im Tagebuch. Schon am Sonntag wurde dem Platzkommandanten die Beendigung der Mobilmachung gemeldet.

Das Füs Bat 70 marschierte anschliessend nach Grafstall-Kemptthal-Winterberg, wobei die Hitze der Mannschaft zu schaffen machte; das 70 hatte aber nur 5 Marschmarode (das Füs Bat 66 dagegen 22). Im Bat 70 waren zu diesem Zeitpunkt 30 Offiziere, 848 Unteroffiziere und Soldaten, 130 Pferde und ein Motorfahrzeug. (Stab Inf Rgt 28 Journal 1) Für die nächsten zwei Wochen war Ausbildung geplant. Wichtig war den Kommandanten der Unterschied zum Dienst in Friedenszeiten: „Der Unterschied zwischen aktivem Dienst und W.K. wird scharf hervorgehoben. Es muss sowohl in physischer, wie psychischer Hinsicht dafür gesorgt werden, dass die Truppe nicht nach wenigen Wochen am Ende ihrer Kräfte ist." (Stab Inf Rgt 28 Journal 1) Vor allem beim Wachdienst war diese Unterscheidung wichtig, der am Anfang zu Beanstandungen Anlass gab und deshalb scharf kontrolliert wurde. Eine Woche später wurden die Unterkünfte verlassen und neue Quartiere in Kyburg bezogen. Man machte viel Ausbildung, denn es gab viel zu lernen und verbessern, zum Beispiel in den Gefechtsübungen: „Es wird im allgemeinen zu viel supponiert, statt mit der rauhen Wirklichkeit zu rechnen." (Stab Inf Rgt 28 Journal 1) Die Kampfhandlungen schienen fern, wie auch folgende Bemerkung zeigt: „Man ist sich gar nicht bewusst, dass wo anders der Krieg tobt." (Stabskp Journal 1, 27.9.39) Trotzdem waren viele Männer nicht mehr zuhause verfügbar, was sich vor allem in der Landwirtschaft empfindlich bemerkbar machte. Die Armee half deshalb aus, wo sie konnte: „Am Nachmittag sind die Leute erstmals der Bevölkerung zum Einherbsten zugeteilt worden." (Stabskp 70 Journal 1)

Am Freitag, 22.9.39, war nach einem Befehl der Division, sich zum Abmarsch bereitzuhalten, zum ersten Mal „eine gewisse Kriegsstimmung merkbar" (Stab Inf Rgt 28 Journal 1). Man rechnete schon damit, in eine „fremde Gegend" versetzt zu werden, ins Tessin oder ins Jura. Dann aber kam der „Befehl für den Marsch in den Raum südlich der Limmat".(Stab Inf Rgt 28 Journal 1) In der Nacht marschierte das gesamte Regiment nach Zürich, wo es Zwischenunterkunft bezog. Die Aufgabe danach sah so aus: „Es wird die zweite Befestigungslinie hinter der Limmat gebaut. Das Rgt wird als erste Rgt der Div an dieser Befestigung arbeiten." (Stab Inf Rgt 28 Journal 1) Das Füs Bat 70 kam in den Raum Uitikon-Landikon-Wettswil-Waldegg-Sellenbüren-Ringlikon. Die Hauptverteidigungslinie befand sich in den Wäldern des Hohensteins am Uetliberghang, bei der Waldegg und bis nach Urdorf. Hier verbrachte das ganze Regiment die nächsten Wochen. Man baute auf der Buchhogerstellung ein durchgehendes, zwei Kilometer langes Drahthindernis, ausserdem Unterstände im Fels. Materialknappheit machte dem Bat zu schaffen, schliesslich legte man jedoch eine eigene „Pfahlrüststelle" an, wodurch man schneller vorankam. Das Füs Bat 70 arbeitete am Abschnitt Uitikon-Altstetten. Das Arbeitsgebiet wurde für den Zivilverkehr gesperrt und streng bewacht, was zu einigen Spannungen mit den Anwohnern führte. Das anhaltend „hundsmiserable" Wetter behinderte die Bauarbeiten ebenfalls. „Deshalb müssen die Grabarbeiten unter den ungünstigsten Umständen geführt werden, wodurch eine Verzögerung im Arbeitspensum nicht vermieden werden kann." (Stabskp Journal 1, 9.10.39)

Am 14.10.39 erhielt jeder Angehörige des Inf Rgt 28 ein gelbes Stoffband, das an der linken Achselplatte zu tragen war und als sichtbares Zeichen der Regimentszugehörigkeit Ansporn sein sollte. Dies veranlasste der Rgt Kdt, nachdem Oberst Frick, Unterstabschef der Armee, sich sehr anerkennend über die Arbeiten des Regiments sowie auch über Haltung und Appell geäussert hatte, die im ganzen Regiment besser war als bei anderen Truppen. Am 28.10.1939 nahmen auch die Soldaten teil an den nationalen Wahlen. Die Beteiligung war sehr hoch, in der Stabskompanie zum Beispiel bei 89 %. Trotzdem glaubte der Kommandant dieser Kompanie, „dass das Interesse daran sehr klein war, zumal die Truppe durch die militärische Inanspruchnahme kein Bedürfnis für anderweitige Geschehnisse hat." (Stabskp 70 Journal 1) Einige Tage davor dislozierte das ganze Bat nach Altstetten, wo die Stabskompanie schon länger stationiert war. Am Sonntag konnte man im Ausgang nach Zürich gehen, je nachdem zur Familie oder zu den vielfältigen Vergnügungsmöglichkeiten der Grossstadt. Den Soldaten sagte dies sehr zu, dem Divisionskommandanten, Oberstdivisionär Herbert Constam, jedoch weniger; er befürchtete eine Verweichlichung der Mannschaft. Bis Ende Jahr blieb man aber an diesem Standort. Die immer gespannter werdende Lage an der deutschen Westfront führte zu vertieften Ausbildungen, zum Beispiel wurde eine „Nahkampfausbildungswoche" durchgeführt, in der auf den Kampfbahnen exerziert wurde, „teilweise etwas allzu stürmisch." (Stab Inf Rgt 28 Journal 1) In diesem Jahr feierte das Füs Bat 70 Weihnachten im Dienst. Am Samstag 23.12 gab es eine Feldpredigt von Hptm Keller, und der Bat Kdt verabschiedete sich von „seinen 70gern", er übernahm das Inf Rgt 26. An Heiligabend besteht die Gelegenheit, die Familie zu besuchen. Am 25.12 feierten die Kameraden zusammen. Danach ging es weiter mit den Bauarbeiten. Zu Neujahr scheidet der bisherige Bat Kdt Carl Gossweiler unter Beförderung zum Oberstleutnant aus dem Regiment aus und übernimmt das Kommando des Inf Rgt 26. Das Füs Bat 70 übernimmt Hauptmann Altorfer, vorher Kommandant der Kp III/63. Ausserdem wird Rgt Kdt Vetter zum Obersten befördert.

Am 6. Januar dislozierte man in den Süden Zürichs, ins Säuliamt, wo man in Ottenbach und Obfelden stationiert war. Kp II/70 blieb in Altstetten und übernahm die Feldwache im Regimentsabschnitt der Limmatstellung. Im Amt fanden wöchentlich zwei Übungen mit dem Regiment statt und die Wintermanöver der Division. Erst Ende Februar ging man zurück nach Altstetten, wo man mit den Bauarbeiten am Buchhoger weitermachte. Bat Kdt Altorfer beschrieb es so: „Der Bataillonskommandoposten glich dabei oft mehr einem Baugeschäft als einer militärischen Kommandostelle." (Erinnerungen, S. 32) Dies zog sich den ganzen Frühling hin, unterbrochen nur von einigen Regimentsübungen. Die Bauarbeiten taten den Leuten aber nicht nur gut, am 16.4.40 resümierte die Stabskompanie: „Das Bauen hat die Leute eher schlapp und wenig vif gemacht. Das muss wieder fort." (Stabskp 70 Journal 2) Es ging aber weiter damit, meist war die Hälfte der Kompanie dort eingespannt. Ein tragischer Zwischenfall ereignete sich in dieser Zeit bei der Stabskompanie, als sich der Korporal Werner Zürcher auf der Feldwache mit einer privaten Schusswaffe das Leben nahm. Der Protokollführer hielt fest, dass dies auf vererbte Depressionen zurückzuführen war und nicht durch Kameraden oder Vorgesetzte verschuldet wurde. „Solche Unfälle werfen immer düstere Schatten auf die ganze Kp. und sind nicht zuletzt gefährlich für Typen, die im heutigen Aktivdienst selbst gegen unbehagliche Depression zu kämpfen haben." (Stabskp Journal 1 2.2.40) Beim Kompanieabend am 27.3.40 ist die Stimmung aber wieder gut: „Was uns allen gut tat, das war: es haben alle, vom eingeladenen Bat Stabe bis zum hintersten Kanonier-Bünzli alle wieder einmal recht herzlich gelacht und einen Abend der schönsten Seite im Soldatenleben verbracht." (Stabskp 70 Journal 1)

Im Mai, als man sich Hoffnungen auf Urlaub machte, wurde die Lage durch den deutschen Angriff auf Frankreich wieder kritischer; der Angriff erfolgte über die Kleinstaaten Holland und Belgien, „eine fast unglaubliche Angelegenheit." (Stabskp Journal 2) Der Bundesrat beschloss am 11. Mai 1940 die zweite Kriegsmobilmachung. In Zürich herrschte grosse Aufregung, viele Familien verliessen die Stadt, und die Gerüchteküche brodelte. Die Angst, dass man das gleiche Schicksal erleiden würde wie die Benelux-Länder, war gross. Die Kommandanten bemühren sich um Ruhe in der Truppe und erreichren, dass das Militär Haltung bewahrte. Erst Anfang Juni wurde wieder auf friedensmässigen Betrieb umgestellt, das heisst es wurden mehr Urlaube gewährt und keine Schichtarbeit mehr gemacht. Ende Mai hätte das Bat in Urlaub gehen sollen; die anderen Bat des Rgt hatten schon je einen Monat Urlaub genossen. So wurde nichts aus dem Urlaub. Die Soldaten trugen es mit Fassung – und Galgenhumor: Die II. Kp. stellte eine Grabtafel auf mit der Inschrift „Hier ruht auf Nimmerwiedersehn Johann Jakob Urlaub – sein Leben war Hoffnung und Täuschung". Also baute man weiter, bildete aus, und wurde im Juli zum erstenmal zur Interniertenbewachung eingesetzt. Dies geschah im Berner Oberland, wo französische Soldaten – auch aus den Kolonien – interniert waren, „deren Bewachung weniger Mühe machte als das Fernhalten von neugierigen Schweizern und Schweizerinnen". (Erinnerungen S. 34) Endlich war man aus dem Kanton Zürich herausgekommen, weg von den immer gleichen Strassen und Unterkünften und Arbeiten. Die Freude ging weit: „Ein sonniger gattlicher Sonntag. Heute fühlen wir uns dem Herrgott und unserer Heimat mit Herz und Seele verbunden." (Stabskp Journal 2 14.7.40) Dieser Dienst gefiel den Soldaten so gut, dass sie erst gar nicht erfreut waren, als sie erfuhren, dass das Bataillon wieder in den Rgt Verband nach Zürich zurückkehren sollte. Die Freude war aber umso grösser, als man erfuhr, dass man endlich – nach 327 Tagen ununterbrochenem Aktivdienst – am 24. Juli 1940 nach Hause entlassen wurde. Mit gemischten Gefühlen: „Ich weiss nicht wie ich sagen soll. Aber ein Freudentag ist es nicht. Ich glaube, es drückt doch jeden, dass wir nach dem Urlaub wieder hierher müssen." (Stabskp Journal 2)

Bereits am 16. September musste das Bat wieder einrücken. „Mit klingendem Spiel und geschultertem Gewehr wurde abends 9 Uhr durch die Bahnhofstrasse in Zürich marschiert." (Erinnerungen S. 34 f.) Anschliessend ging es nach Kilchberg. Danach folgte eine zweitägige Übung im Raum Schindellegi, bei der das Bat 70 im Verband der 6. Division den Gegner in Form der 7. Division anzugreifen hatte. Im Raum Schindellegi-Biberbrücke lag das nächste Quartier. Der Schwerpunkt lag hier in der Nahkampfausbildung und in Gefechtsübungen. Auch konnte das Bat erstmals „seine" Réduitstellung anschauen. Anfang Dezember wurde am neuen Korpssammelplatz in Richterswil demobilisiert. Nach einem Defilée im Schnee in Zürich vor dem General wurde das Bataillon am 7. Dezember 1940 entlassen. „Der General friert, die 6. Div tut stramm ihre Pflicht, einzelne Kpn. stampfen sogar eifrig in überbordender Eigenfrequenz vorüber." (Stab Inf Rgt 28 Journal 3)

Ruhigere Jahre: 1941/42

Nach vier Monaten Pause ging es am 17. März wieder los. Der Bat Kdt Hptm Altorfer war per 1.1.1941 zum Major befördert worden. Die Beübung des Bataillons begann dabei schon beim Einrücken, als die Militärzüge durch einen (simulierten) Fliegerangriff gestoppt wurden und die Soldaten in Fliegerdeckung zum Korpssammelplatz marschieren mussten. Anschliessend verschob man in die Réduitstellung und arbeitete an deren kriegsmässiger Verstärkung mit Drahthindernissen. Danach folgte ein Monat mit Ausbildung im Raum Hinwil-Rapperswil. Wöchentliche Trainingsmärsche boten Gelegenheit, die Gegend kennenzulernen. Im April war man ein wenig weiter östlich in St. Gallenkappel. Hier gab es Sturmzugtraining und Festungsstürmung. Schliesslich gab es noch eine Divisionsübung in Lachen, bei der um die Etzelpasshöhe gerungen wurde. Anfang Mai konnte man wieder abtreten.

Am 1. September, genau zwei Jahre nach der Mobilmachung, musste das Bat wieder einrücken. Es war nur ein einmonatiger Dienst. Da trotzdem so viel Ausbildung wie möglich gemacht werden sollte, wurde der Dienst dadurch deutlich strenger. „Der ganze Ablösungsdienst war gekennzeichnet durch ein reiches, fast überreiches Arbeitsprogramm." So beschreibt es die Kp. IV/70 in ihrem Kursbericht zuhanden des Kdo Füs Bat 70. (Kp IV/70, Journal 3, Beilage) Bemängelt wurden dabei die mangelhafte Vorbereitung und die ständigen Verschiebungen. Auch viele Dispensationen und Landwirtschaftsurlaube machten es unmöglich, über längere Zeit eine kriegsstarke Kompanie ausbilden und beüben zu können. Die verbliebenen Soldaten nahmen im Raum Gross-Zug an verschiedenen Übungen mit dem Regiment teil.

1942 war die Lage um die Schweiz herum eher ruhig. Die deutsche Wehrmacht war in Russland beschäftigt, unter anderem in Stalingrad, und in Italien und Frankreich herrschte Frieden. Deshalb musste das Bat 70 nur einmal ausrücken, und zwar für einen Monat im Sommer. Ungewohnt waren der Gebirgsdienst, das Biwakieren an drei auffeinanderfolgenden Nächten, und die Unterkünfte in Alphütten. Die II. Kp. wandelte dabei auf Suworows Pfaden und lernte die gewaltige Leistung des russischen Generals und seiner Armee immer mehr achten. Trotz der Mühsal war der Sommer im Gebirge schön und konnte gut zur Ausbildung genutzt werden. „Alle Schwierigkeiten und Einschränkungen wurden aber durch den Dienst in der schönen Gebirgsgegend und durch das ideale Übungsgelände mehr als aufgewogen. Zugs- und Kompagniescharfschiessübungen, sowie Gefechtsübungen von Kompagnie gegen Kompagnie in der Glattalpgegend und auf den Bergen werden zu den dauernden Erinnerungen der Beteiligten gehören." (Erinnerungen, S. 40) Da die Truppen weit ab von Strassen war, kamen auch selten Vorgesetzte, erst recht seit das Auto des Rgt Kdt von Kühen und Ziegen zerkratzt worden war. Ein tragischer Vorfall war der Tod des Füsiliers Silvain Golay, der beim Edelweisssuchen an den Hängen des Kaiserstocks abstürzte. Es war einer von acht Todesfällen im Bataillon. Am 22. Juli wurde das Bat nach einem erneuten Defilée vor dem General entlassen.

Weg zum Frieden: 1943/44/45

1943 war ein intensiveres Jahr als 1942. Die Lage für die Schweiz war durch neu eröffnete Fronten in Nordafrika und später Italien wieder kritischer geworden. Das Füs Bat 70 musste deshalb dreimal ausrücken. Auf Anfang 1943 hatte Oberst Wilhelm Werder das Kommando des Inf Rgt 28 übernommen. Für das Füs Bat 70 ging es am 1. März los. Es bezog erneut Unterkunft im Säuliamt, und zwar in Hausen am Albis, Rifferswil, Kappel und Ebertswil. Bis zur Entlassung blieb es am gleichen Standort, was die Ausbildung erleichterte. Da die neuen Tankbüchsen (Panzerabwehrkanone) eingeführt worden waren, war diese intensive Arbeit auch nötig. Es gab Übungen im Bataillonsverband wie auch Nahkampfübungen Gruppe gegen Gruppe, die so verbissen geführt wurden, dass die Schiedsrichter manchmal Mühe hatten, die Kämpfenden zu trennen. Auch Nachtübungen mit Handstreichen und Überfällen wurden durchgeführt. Am 3. April war Abtreten.

Am 3. Juli ging es erneut los. Am Zugersee bezog man Lager in der Réduitstellung. Es gab keine grösseren Übungen, aber viele Kurse für Spezialisten, unter anderem über die Verwendung von Sprengstoffen und Minen. Man wurde erstmals zur Bewachung eingesetzt, und zwar an der Nordrampe der Gotthardbahn auf der Strecke Amsteg-Gurtnellen-Wassen-Göschenen. Wegen des Zusammenbruchs Italiens war die Anspannung gross. Eine Kompagnie war nicht über eine Übung informiert worden und dachte schon, es gelte jetzt ernst, als sie Fallschirmspringer in der Luft sahen, konnten aber rechtzeitig informiert werden. Am 5. August war Abtreten.

Zum letzten Mal im Jahr 1943 kam die Mannschaft am 22. November zusammen. Von Richterswil ging es nach Schindellegi-Biberbrücke. „Der vorgesehene Friedensmarsch direkt in die Unterkunft Menzingen ist mit dem Befehl unser ‚Reduit' zu besetzen recht unsanft zu einer nicht erfüllten Hoffnung verdammt worden." (Stabskp Journal 6) Die Stellungen wurden bei beissender Kälte also kriegsmässig besetzt. Erst danach konnte man in die Unterkunft. Es ging gleich weiter mit Manövern in diesem Raum, daneben Ausbildung: „Die Züge üben abwechslungsweise einmal im Norden einmal im Süden, heute auf dem Hügel morgen im Tälchen." Bei meist schlechtem Wetter verbrachte man so die Tage. Einen Tag vor Heiligabend wurde das Bataillon entlassen. „Ein harter Dienst findet heute seinen Abschluss. Es hat jeder Soldat das Gefühl, dass man von uns viel verlangt hat, aber wir haben auch die Genugtuung, dass wir unsere Pflicht erfüllt haben." (Stabskp Journal 6)

1944 musste das Füs Bat 70 dreimal ausrücken, und es begann wieder im März. Im Norden kam der Krieg nach der Landung der Alliierten in der Normandie wieder näher. Am 13. März rückte man in die Réduitstellungen ein, wo man auf einen Angriff des Füs Bat 71 wartete; in der Übung wurde die Verteidigung des Réduit simuliert. Danach machte man zum zweiten Mal Gotthardwache, was im Winter mühseliger war als im Sommer. Dazu gab es eine Skipatrouillenausbildung. Anfang April zeigte sich der Schnee in seiner brutalsten Form: Eine Küchenbaracke wurde mit der ganzen Mannschaft von einer Lawine begraben. Unter Einsatz der ganzen Kompanie konnten die sechs Mann zwar schnell wieder geborgen werden, jedoch erlag Füsilier Julius Raths – Soldat, Gatte, und Vater von zwei kleinen Kindern – seinen Verletzungen am Ostersonntag. Seine Kameraden kehrten am 13. April, nur einen Tag nach der Beerdigung, gedrückter Stimmung nach Hause zurück.

Am 5. Juni mussten sie wieder einrücken und hörten bald die Nachricht von der Landung der Alliierten in Frankreich (D-Day in der Normandie am 6. Juni 1944). Im Gelände Ibergeregg nahm das Bat Quartier und wurde beübt unter der Leitung des Regiments- und Divisionskommandanten. Neu gab es Ausbildungen mit Flammenwerfer und Panzerwurfgranate. „Die Ausbildung soll vor allem wieder den Einzelkämpfer fördern und ihn auf die Stufe bringen, die er im Jahre 1940/41 erreicht hatte, die aber nachher wieder verloren ging. Wir legen eine Kampf- und eine Hindernisbahn an." (Mitr Kp IV/70 Journal 9). Dass Programm wurde von widrigen äusserlichen Umständen gestört, so war die Unterkunft in Unteriberg schlecht und die Bevölkerung gegen die Armee eingestellt: „Heute gehen die Iberger Bauern mit den Mistgabeln auf uns los, wenn wir uns erlauben, in eine abgemähte Wiese zu treten." (Mitr Kp IV/70 Journal 9) Uralte Feindschaften zwischen Schwyzern und Zürchern schienen zu erwachen. Schlussendlich konnten die Soldaten aus Zürich doch ihr Ausbildungsprogramm abspulen. Es gab wöchentlich einen Gebirgsmarsch mit Zeltbiwak und zum Abschluss im ganzen Regiment eine Sportprüfung mit den Disziplinen Gelände-Hindernislauf, Weitsprung und Handgranaten-Werfen. Am 6. Juli wurde man nach einem Defilée vor dem Div Kdt – ab 1944 Oberstdivisionär Corbat – und den Gemeinderäten von Richterswil und Wädenswil entlassen. „Schönstes Sommerwetter lässt die ohnehin schon gehobene Stimmung in der Truppe beinahe überschäumen." (Stabskp Journal 7)

Etwas länger war der Dienst Ende Jahr. Am 14. Oktober rückte das Bat ein und konnte erst kurz vor Weihnachten nach Hause. Das Einrücken erfolgte im Rahmen einer „Teilkriegsmobilmachung", die Soldaten mussten im Helm und mit geladenem Gewehr einrücken und Proviant für zwei Tage dabei haben. Es ging gleich weiter mit zwei Extrazügen Richtung Jura. Auf einem offenen Güterwagen fuhr der Flab.Zug schussbereit mit. Schliesslich bezog man Quartier im Schloss Délemont. Vom nahen Krieg vernahm die Einheit wenig, nur der Flab.Zug war ständig auf Wache, kam aber nicht zum Einsatz, im Gegensatz zu anderen Flab.Einheiten, die ab und zu auf Flugzeuge schossen, die in Schweizer Luftraum eingedrungen waren. Der zunehmende Luftkrieg hatte dazu geführt, dass in jeder Kompanie ein Flab-Zug eingerichtet worden war, der nun entsprechend ausgebildet und beübt wurde. Zum Ernsteinsatz kam das Bat allerdings nur als Hilfsfeuerwehr, als es in Délemont bei der Bekämpfung eines grösseren Brandes mithalf. Am 11. November dislozierte es nach Mervelier am Dreikantonseck Jura-Bern-Solothurn, wo es weitermachte mit der Ausbildung. Am 19.11 gab es einen Nachtmarsch zwecks Dislokation in den Raum Aarwangen. Der „strenge Ausbildungsbetrieb" ging weiter, mit grösseren Manövern, bei denen es teilweise ziemlich heftig zu und her ging; eine Walliser Einheit griff in der Nacht mit Bohnenstangen an, und in Frohnhofen wirkte sogar die Bevölkerung als Volkssturm mit. Am 15. Dezember fuhr man wieder nach Richterswil und konnte am 18. Dezember entlassen werden.

1945 ging der Krieg zu Ende; Deutschland kapitulierte im Mai. Die Schweizer Armee wurde erst am 19.8.45 definitiv demobilisiert. Das Füs Bat 70 hatte erst ein wenig später seinen einzigen Einsatz im letzten Kriegsjahr, als es für einen Monat, aufgeteilt in Detachemente, zur Interniertenbewachung eingesetzt wurde. Es hatte dabei sämtliche Interniertenlager zu bewachen, deren 95 es zwischen Bodensee, Genfer See und südlichstem Tessin noch gab. Dabei musste man mit Ausnahme eines „Straflagers" mit schwierigen Fällen nicht wirklich bewachen, bloss den Ablauf überprüfen und kontrollieren. Obwohl der Krieg an sich schon vorbei war, war die Stimmung gut, auch weil das Wetter gut war und die Arbeit nicht besonders anstrengend. Am frühen Morgen des 4. Oktober ging der Aktivdienst auch für das Füs Bat 70 zu Ende.

Übersicht Einsätze Inf Bat 70

  • 5.9.-22.9.1939 Lindau-Grafstall-Kempttahl-Kyburg-Effretikon
  • 23.9.-5.1.1940 Birmensdorf-Urdorf-Altstetten-Waldegg
  • 5.1.-28.2.1940 Affoltern a.A.-Jonen-Obfelden-Ottenbach-Aeugst
  • 28.2.-4.7.1940 Birmensdorf-Altstetten-Uitikon
  • 4.7.-24.7.1940 Hedingen-Altstetten-Obfelden
  • 16.9.-7.12.1940 Menzingen-Hütten-Schönenberg-Schindellegi-Einsiedeln
  • 17.2.-9.5.1941 Rüti/Uznach-Hinwil-Wald-Rüti-Rapperswil-Stäfa-Hombrechtikon
  • 1.9.-10.10.1941 Arth-Immensee-Küssnacht-Aegeri
  • 17.6.-2.7.1942 Muothatal-Bisistal-Hürital-Pragelpass-Ibergeregg
  • 1.3.-3.4.1943 Sihlbrugg-Bonstetten-Hausen-Kappel-Menzingen-Schönenberg-Hirzel
  • 5.7.-5.8.1943 Brunnen-Stoos-Ibergeregg-Zugerberg-Rigi
  • 22.11.-23.12.1943 Goldau-Schwyz-Menzingen-Schönenberg
  • 13.3.-13.4.1944 Zug-Menzingen-Schönenberg-Hirzel-Arth-Schwyz-Morschach
  • 5.6.-6.7.1944 Einsiedeln-Wäggital-Stöcklikreuz-Biberbrücke-Einsiedeln
  • 14.10.-18.12.1944 Delsberg-Courrendlin-Courroux/Vicques/Oensingen
  • 17.9. - 6.10.1945 (nach Kriegsende, zur Interniertenbewachung, in Detachemente aufgeteilt)